Projekt & Partnerschaften

Bio Arganöl aus Marokko – Herkunft, Verarbeitung und nachhaltige Wertschöpfung

Einblicke in Herkunft, Verarbeitung und soziale Projekte rund um Bio Arganöl aus Marokko.

Besuch einer Frauenkooperative in Marokko, im Hintergrund Frauen bei der Verarbeitung von Argannüssen
Inhalt 13 Abschnitte

Wo die Sahara auf das Meer trifft

Um den Ursprung eines der wertvollsten Naturrohstoffe Marokkos besser kennenzulernen, besuchten wir erneut unsere langjährigen Lieferanten für Bio Arganöl. Vor Ort standen Besuche bei Frauenkooperativen und Produktionsstätten im Mittelpunkt, um Einblicke in Herkunft, Verarbeitung und die sozialen Strukturen rund um die Arganölgewinnung zu erhalten.

Woher stammt Arganöl?

Arganöl wird aus den Früchten des Arganbaums (Argania spinosa) gewonnen. Diese Baumart wächst nahezu ausschließlich im Süden Marokkos sowie in kleinen Regionen des südöstlichen Algeriens. Die traditionelle Nutzung des Arganbaums und seiner Früchte wurde von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Welche Inhaltsstoffe machen Arganöl so wertvoll?

Arganöl zeichnet sich durch seine besondere Zusammensetzung aus:

  • Polyphenole (Antioxidantien)
  • Tocopherole (Vitamin E), insbesondere Alpha-Tocopherol
  • Essenzielle Fettsäuren wie Omega 6 und Omega 9
  • Phytosterole
  • Carotinoide als Vorstufen von Vitamin A
  • Natürliches Squalen

Diese Kombination macht Arganöl zu einem vielseitig einsetzbaren Rohstoff für kosmetische Anwendungen.

Wem gehören die Arganbäume?

Die Arganbäume befinden sich im Besitz der Familien, die in den ländlichen Regionen Südwestmarokkos leben. Die Nutzung der Bäume ist eng mit der lokalen Kultur sowie der wirtschaftlichen Existenz vieler Gemeinschaften verbunden.

Reifezeit und Lebensdauer

  • Fruchtreife: Juli bis September, abhängig von Klima und Standort
  • Beginn der Fruchtproduktion: nach etwa 7 bis 15 Jahren
  • Maximale Ertragsphase: circa ab dem 40. Lebensjahr
  • Lebensdauer: bis zu 200 Jahre

Zertifizierte Wildsammlung

Die Erntegebiete unserer Lieferanten sind vollständig zertifiziert. Die Sammlung der Arganfrüchte erfolgt ausschließlich aus natürlichen Beständen.

Sammlung und Verarbeitung der Argannüsse

Die Ernte der Argannüsse erfolgt ausschließlich durch das Auflesen der reifen Früchte vom Boden. Das Pflücken direkt vom Baum ist nicht erlaubt. Nach der Sammlung werden die Früchte inklusive Fruchtfleisch getrocknet, gelagert und bei Bedarf in die Verarbeitungszentren transportiert.

Traditionell entfernen die Frauen zunächst das getrocknete Fruchtfleisch und knacken anschließend die äußerst harten Nussschalen von Hand. Dieser Arbeitsschritt erfordert viel Erfahrung und Geschick.

Je nach Verwendungszweck werden die Kerne unterschiedlich verarbeitet:

  • Geröstete Kerne dienen der Herstellung von kulinarischem Arganöl.
  • Ungeröstete Kerne werden kaltgepresst und liefern natives Arganöl für kosmetische Anwendungen.

Bei der Kaltpressung bleiben die Temperaturen niedrig, um die Qualität der wertvollen Inhaltsstoffe bestmöglich zu erhalten. Anschließend wird das Öl filtriert, um ein reines und klares Endprodukt zu erhalten.

Die Rolle der Frauenkooperativen

Die Beschäftigung der Frauen in unseren Partnerkooperativen erfolgt dauerhaft und nicht nur saisonal. Neben dem Sammeln und Knacken der Nüsse leisten die Kooperativen einen wichtigen Beitrag zur lokalen Wertschöpfung.

Die Projekte fördern die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und leisten einen wichtigen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinschaften.

Soziale Verantwortung und nachhaltige Entwicklung

Unsere Partner unterstützen langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten und orientieren sich an den Grundsätzen des fairen Handels. Ziel ist es, gemeinsam mit den lokalen Gemeinschaften nachhaltige Wertschöpfung zu schaffen und gleichzeitig den Erhalt der Arganwälder zu fördern.

Unterstützt werden unter anderem Projekte in den Bereichen:

  • Bildung
  • Frauenförderung
  • Jugendentwicklung
  • Gesundheitsversorgung
  • Rechtshilfe
  • Sport und Freizeit
  • Zugang zu sauberem Wasser

Die positiven Auswirkungen zeigen sich unter anderem in verbesserten Bildungschancen, geringerer Abwanderung sowie einer stärkeren Gleichstellung innerhalb der Gemeinschaften.

Warum ist Arganöl für die Kosmetik interessant?

Dank seiner ausgewogenen Zusammensetzung ist Arganöl ein vielseitiger Inhaltsstoff in kosmetischen Formulierungen. Es wird insbesondere für Haut- und Haarpflegeprodukte eingesetzt.

  • Pflegende Eigenschaften für Haut und Haare
  • Unterstützung der Hautfeuchtigkeit
  • Schutz vor oxidativem Stress durch natürliche Antioxidantien
  • Angenehmes Hautgefühl und gute Spreitfähigkeit

Die Kombination aus Fettsäuren, Antioxidantien und weiteren bioaktiven Bestandteilen macht Arganöl zu einem gefragten Rohstoff für moderne Kosmetikanwendungen.

Upcycling und vollständige Verwertung

Bei der Verarbeitung der Argannüsse wird nahezu jeder Bestandteil weiterverwendet:

  • Fruchtfleisch dient als Tierfutter.
  • Der Presskuchen kann in verschiedenen Anwendungen genutzt werden.
  • Arganschalen werden als natürlicher Biobrennstoff verwendet.

Damit trägt die Arganwertschöpfung zu einer ressourcenschonenden und nachhaltigen Nutzung des Rohstoffs bei.

Warum klettern Ziegen auf Arganbäume?

Arganbäume werden oft auch als „Ziegenbäume“ bezeichnet. Die Tiere fressen bevorzugt das süße Fruchtfleisch der gelben Arganfrüchte. Aufgrund des kurzen Stammes und der weit verzweigten Äste können Ziegen problemlos in die Baumkronen klettern.

Für die Ölgewinnung werden ausschließlich vollreife, am Boden liegende Früchte gesammelt. Von Tieren verdautes Material wird dabei nicht verwendet.

Fazit

Bio Arganöl vereint traditionelle Handwerkskunst, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und eine bedeutende soziale Wertschöpfung. Die Arbeit der Frauenkooperativen, die zertifizierte Wildsammlung sowie die vollständige Nutzung der Arganfrucht machen diesen Rohstoff zu einem besonderen Bestandteil moderner Kosmetikformulierungen.